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ein basler maerchen
Der Güggel auf dem Ei
© by grabmacherjoggi.ch

Vor langer Zeit, als in Basel noch ein Bischof regierte, gab es einen Händler der den Leuten Gewürze verkaufte. Er hatte sein Haus in der Krämergasse beim Marktplatz, wo damals viele Händler wohnten. Der Händler hatte ein Ross das seinen Wagen zog, eine Katze welche die Mäuse verjagte, und fünf Hühner die Eier legten. Und dann war da noch ein stolzer Hahn der auf die Schar Hühner aufpasste. Damals hatte es in der Stadt viel mehr Tiere als heute.

Unter den Hühnern gab es ein besonders. Es hatte ganz weisse Federn und nur die Flügelspitzen und die Schwanzfedern waren hellbraun. Dieses Huhn hatte gerade ein Ei gelegt, aus dem bald ein kleines Kücken schlüpfen sollte. Damit das Kleine in seinem Ei es schön warm hatte, sass die Hühnermami den ganzen Tag im Nest und wärmte und beschützte das Ei. Weil der Hahn der Papi war, kam er viele Male am Tag zum Nest, um zu sehen ob es den beiden gut ging.

Der Hahn freute sich darüber dass er bald Papi sein würde und ein kleines Hühnerkind haben wird, und er hatte die Hühnermami sehr lieb. Aber an einem Morgen sollte alles ganz anders werden. Der Hahn war aufgestanden und weckte wie gewohnt die schlafenden Leute mit seinem Kikerikiiii. Er ging auf die Gasse um zu sehen ob die Sonne auch sicher wie jeden Morgen aufging. Als er zurück kam, war das Huhn aus dem Nest verschwunden.

Versteckt im Heu lag nur noch das arme Ei, das nun nicht mehr gewärmt wurde. Der Hahn begann herumzurennen und rief nach seinem Huhn. Dann hörte er es auf der Gasse nach ihm rufen. Er lief hinaus und sah es in einem kleinen Holzkäfig. Der Händler nahm zwei von seinen Hühner mit um sie zu verkaufen. Der Hahn rannte hinterher, die Gasse hinunter. Er sah dass der Händler zum Andreasplatz ging und holte ihn schliesslich ein.

der haendler geht zum markt

Damals hatten die Händler eine eigene Kirche. Sie hiess nach dem heiligen Andreas und stand auf dem Andreasplatz. Um die Kirche herum wurde der Markt abgehalten, wo der Händler die beiden Hühner verkaufen wollte. Der Hahn rannte um den Händler herum und krähte laut und flatterte mit den Flügeln. Doch den Händler scheuchte ihn fort und ging weiter. Bevor sie um die Ecke zum Platz verschwanden, rief das Huhn dem Hahn zu:

"Du musst auf unser Ei aufpassen! Halte es warm und sorge gut für unser kleines Küken wenn es ausgeschlüpft ist!"

Da verstand der Hahn, dass er sein liebes Huhn nie wieder sehen würde. Er liess die Federn hängen und weinte. Traurig ging er zurück zur Krämergasse. Die übrigen Hühner fragen ihn aufgeregt was denn geschehen sei, doch der Hahn mochte nicht reden. Er ging zum Nest wo sein liebes Huhn immer gesessen hatte - dann sah er das Ei im Stroh. Es war schon ganz kalt geworden. Er sollte doch auf das Ei aufpassen und es warm halten!

Der Hahn setzte sich auf das Ei, das schon bald wieder warm wurde. Von nun an stolzierte er nicht mehr in der Gasse und im Hof herum, sondern sass im Nest auf dem Ei. Schon am nächsten Morgen merkten die Leute dass der Hahn nicht mehr auf die Gasse lief und Kickerikiii rief. Der Händler wunderte sich und schaute in den Hühnerstall. Da sah er den Hahn wie ein Huhn in einem Nest sitzen. Er schüttelte nur den Kopf und ging wieder.

Als am nächsten und am übernächsten Tag der Hahn am Morgen wieder nicht schrie, fragten sich immer mehr Leute was geschehen sei. So kam es dass sie zum Haus des Händlers liefen und in den Stall schauten. Dort sahen auch sie den Hahn sitzen. Ein Hahn der wie ein Huhn in einem Nest sass, war ein seltsames Ding. Der Basler Stadtknecht kam um selbst zu schauen. Es musste ja für Ordnung in der Stadt sorgen, und merkwürdigen Sachen auf den Grund gehen.

die leute bestaunen den hahn auf dem ei

Der Hahn bekam Angst um das Ei das er beschützen sollte. So viele Leute kamen und streckten ihre neugierige Köpfe in den Stall. Das war dem Hahn unheimlich. Als dann der Stadtknecht den Hahn mit einem Stock anstupste, um zu prüfen was mit ihm los sei, war es geschehen. Der Hahn flatterte wütend aus dem Nest und hackte mit seinem Schnabel nach den vielen Köpfen. Da sah eine Magd das Ei im Nest liegen und begann laut zu schreien:

"Dieser Hahn hat ein Ei gelegt! Das muss ein Drachenei sein! Das ist kein Hahn sondern ein furchtbares Teufelswesen. Unsere Stadt ist verflucht, denn hier wird ein Basilisk ausgebrütet!"

Der Stadtknecht zog sein Schwert und kroch hinein in den Hühnerstall. Drohend zischte der Hahn den frechen Eindringling an, doch der liess sich nicht verjagen. Er guckte von nahe in das Nest und sah das Ei auch. Er kroch aus dem Stall und sagte den Leuten, dass es wahr sei. Da normale Hähne keine Eier legen könnten, müsste der hier wirklich böse sein. Alle glaubten, dass der Hahn selbst dieses Ei gelegt habe.

Früher glaubten viele Leute an Drachen und Basilisken. Der Basilisk hätte so böse schauen können, dass ein Mensch den er ansah tot umfiel. Die Luft die der Basilisk ausatmete soll giftig gewesen sein. Wenn ein Hahn ein Ei legte, dann war das so ungewöhnlich, dass aus diesem Ei sicher normales Kücken ausschlüpfte. Daher sagten die ängstlichen Leute, dass in diesem Ei, das der Hahn gar nicht gelegt hatte, ein Basilisk war.

Die abergläubischen Leute holten den Henker vom Kohlenberg. Er sollte dem Hahn den Kopf abhauen und ihn mit den Ei verbrennen. Nur so meinten die Leute, könnte man verhindern dass ein Basilisk zur Welt kam, und der Stadt schadete. Der Hahn aber merkte dass er in Gefahr war. Flink nahm er das Ei in den Schnabel und rannte davon. Die Leute wichen voller Angst vor ihm zurück, nur der Stadtknecht, ein Kirchenmann und der Henker rannten ihm nach.

der hahn auf der flucht

Voller Angst rannte der Hahn durch die Gassen. Immer mehr Leute kamen jetzt aus den Häusern. Mit Holzknüppeln, Besen und Mistgabeln jagten sie ihn. Der Hahn hatte eben die Gasse unter den oberen Gerbern hinter sich, als er noch mehr Leute kommen hörte. Am Gerberberglein, wo die Lauben der Gerber standen, war der Hahn umringt. Mit erhobenem Schwert kam der Stadtknecht näher. Plötzlich sprang der Hahn in letzter Verzweiflung in den Richtbrunnen.

Die Leute drängten zum Brunnen und sahen in das tiefe Loch. Weil der Sommer heiss war, was das Wasser darin weit hinuntergesunken. Sie sahen den Hahn nicht mehr. Er musste beim Sturz zutode gekommen sein, oder er war im Wasser ertrunken. Nun waren sie den Hahn und das Basiliskenei los, und ihre Stadt war in Sicherheit. Der Stadtknecht sagte, dass jetzt alle ruhig nach Hause gehen können, denn die Gefahr sei zum Glück vorbei.

Doch tief unten im dunklen Brunnen bewegte sich nach einer Weile etwas. Es war der Hahn. Im Brunnen war gerade noch soviel Wasser gewesen, dass er weich landete. Mit nassen Federn und dem Ei fest im Schnabel kletterte er mühsam auf einen grossen Stein auf dem Boden des Brunnens. Dann wartete er ganz still bis alle Leute weg waren. Während er da sass gewöhnten sich seine Augen an die Finsternis, und er konnte besser sehen - vor ihm lag ein Gang.

Durch die Steine ging ein schmaler Gang der hinauf und hinab führte. Der Hahn wagte sich mit seinem Ei immer weiter voran, bis er Wasser plätschern hörte. Der Gang führte in einen Tunnel in dem der Birsig unter der Stadt hindurch floss. Vorsichtig folgte der Hahn dem Wasser, bis er am Ende des Tunnels stand, wo er den Rhein vor sich sah. Da trieb zwischen den Holzpfeilern auf der Grossbasler Seite der Brücke ein grosser Baumstamm hindurch.

auf einem baumstamm rheinab

Der schwere Stamm kam dem Ufer so nahe, dass der Hahn mit viel Flügelflattern auf ihn hinüberspringen konnte. Zwar war es schwierig auf dem nassen schwankenden Holz sicher zu stehen, aber er hatte einen Weg gefunden, aus der Stadt zu kommen ohne dass man ihn sah. In der Abenddämmerung trieb er rheinab, und als er am Ufer die Kirche der Johanniter vorbeiziehen sah, wusste er dass er weit vor der Stadt war. Nun konnte man ihm und dem Ei nichts mehr tun.

Vorsichtig legte er das Ei zwischen seine Füsse, und setzte sich darauf um es wieder zu wärmen. Es wurde Nacht und der Hahn musste weinen, denn er dachte jetzt wieder an sein liebes Huhn. Als seine Tränen ins Wasser tropften tauchte ein Fisch auf den Wellen des Rheins auf. Der Fisch fragten den Hahn, wieso er weine. Der Hahn erzählte ihm alles was geschehen war. Da verschwand der Fisch so schnell wie er gekommen war. Der Hahn war wieder alleine.

Der Hahn schlief ein. Plötzlich spritzte ihm Wasser auf die Federn. Er wachte auf weil er dachte es würde regnen. Aber es war der Fisch, der immer wieder über den Baumstamm sprang, um den Hahn zu wecken. Als er sah dass der Hahn wach war, sagte er ihm, dass er schnell das Ei in den Schnabel nehmen solle und in der nächsten Flusswindung an Land hüpfen müsse. Der Hahn wollte wissen warum. Da sagte der Fisch:

"Man spricht weit herum von einem weissen Huhn mit braunen Schwanzfedern und Flügelspitzen, welches im nahen elsässischen Dorf Marckolsheim lebe. Ein Bauer habe das schöne Huhn in Basel gekauft, aber es lege seither keine Eier. Der Bauer wolle das Huhn deswegen schlachten und selber essen."

Da wusste der Hahn sofort, dass dies nur sein liebes Huhn sein konnte. Er bedankte sich vielmals bei dem Fisch für die Hilfe und sprang mit dem Ei im Schnabel auf die nächste Sandbank. Eilig rannte er die Feldwege entlang nach Marckolsheim. Überall fragte er nach dem Huhn. Dann hörte er plötzlich ein verzweifeltes Gackern, das ihm bekannt vorkam. Vor einem strohgedeckten Haus sah er den Bauern, ein Beil in der einen und das liebe Huhn in der anderen Hand.

vereint auf dem bauernhof

Der Hahn rannte und schlug mit seinen Flügeln, so dass er in einem grossen Sprung mit dem Ei im Schnabel auf dem Holzkolz landete, auf dem der Bauer dem Huhn den Kopf abschlagen wollte. Der Bauer blieb stehen und liess das Huhn los. Vorsichtig legte der Hahn das Ei auf den Boden. Das Huhn sah dass es sein Ei und der Hahnenpapi war. Es rieb den Kopf glücklich an ihm und setzte sich auf das Ei. Da verstand der Bauer und liess das Beil sinken.

Er sah, dass er sein neues Huhn nur unglücklich gewesen war. Jetzt war es wieder zufrieden und es würde auch bald Eier legen. Ausserdem hatte er nun einen schönen Hahn, der auf seine Hühnerschar aufpasste. Der Hahn weckte von jetzt an die Leute in Marckolsheim am Morgen mit seinem Kickerikii, und bald schlüpfte aus dem Ei ein kleines Kücken. So lebten der Hahn und das Huhn glücklich auf dem Hof im Elsass.

Die Basler aber, glaubten noch lange dass tief in dem Brunnen am Gerbergberglein einmal ein Basilisk hauste, weil dort der Hahn mit seinem Ei hineingesprungen war. Noch heute kann man beim Brunnen eine Inschrift zum Basilisk entdecken. Später gewannen die Basler aber den sonderbaren Drachen lieb, und machten ihn zu ihrem Wappentier. So taucht er heute immer wieder auf, zum Beispiel an den kleinen grünen Basiliskenbrünnlein überall in der Stadt.

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